Dieter Roth
Dieter Roth gehört zu den umtriebigsten und mengenmäßig produktivsten Künstler:innen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er weigert sich entschieden, in künstlerische Kategorien eingeordnet zu werden und entzieht sich und sein Schaffen konsequent jeder Festlegung auf einen Stil. Eng verbunden ist er jedoch mit der Fluxus-Bewegung der frühen 1960er-Jahre und der Eat-Art-Szene um den Künstler Daniel Spoerri. Roths Werk ist gezeichnet von Prozess und Vergänglichkeit, die er als wesentliche Bestandteile seiner Kunst versteht. Ganz besonders deutlich wird dies in der künstlerischen Verwendung von Lebensmitteln, die Roth in seinen Werken bewusst dem Verfall preisgibt. Je älter die Werke im Museum werden, desto größer wird der Widerspruch zwischen seiner Absicht und dem Bestreben des Museums, Kunstwerke vor dem Verfall zu bewahren. Erst ab einem bestimmten Zeitpunkt willigt er in die Konservierung ein.
Auch in seinem künstlerischen Umgang mit Sprache zeigt sich bisweilen seine widerspenstige Haltung. Indem er sie frei von Regeln und üblichem Sprachgebrauch nutzt, hinterfragt er festgelegte Strukturen und Formen von Macht. Zudem gilt Roth als ein Pionier im Bereich des Künstlerbuchs. Er versteht das Medium Buch selbst als Kunstwerk und geht dementsprechend experimentell damit um. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine radikale Material- und Medienvielfalt aus und befinden sich weltweit in Museumssammlungen. Das Kunstmuseum Stuttgart besitzt zahlreiche Werke von ihm, darunter auch solche, die sich auf seinen längeren Aufenthalt in der Stadt beziehen.