Bildnis; in Malerei, Bildhauerei und Grafik Darstellung eines Menschen in seiner äußeren Erscheinung, die darüber hinaus sein Wesen widerspiegeln soll. Inwieweit das Individuelle eines Menschen im Bildnis erfasst wird, ist abhängig von der Zeit, in der es entsteht. So erweisen sich antike gemalte Mumienbildnisse der Zeit zwischen dem 1. und 5. nachchristlichen Jahrhundert als äußerst wirklichkeitsnah, während das europäische Früh- und Hochmittelalter die ideale Erscheinung des Menschen der Realität vorzieht. Das ändert sich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und verstärkt im Laufe des 15. Jahrhunderts, als die zunehmend naturalistische, an der sichtbaren Wirklichkeit orientierte Darstellungsweise auch im Bildnis umgesetzt wird. Am häufigsten finden sich der Bildniskopf, die Bildnisbüste (= Hinzunahme eines Teils des Oberkörpers) und das Brustbildnis oder Bruststück (= Hinzunahme der ganzen Brust). Weitere Bildnisformen sind die Halbfigur, das Kniestück (= Darstellung einschließlich des Knies) und die Ganzfigur. Dabei wird die Person in Vorderansicht, Seitenansicht oder im Profil und Halbprofil im Bildnis gezeigt. Mehrere Personen werden in Doppel- oder Gruppenbildnissen wiedergegeben