Willi Baumeister
Willi Baumeister gilt als Leitfigur der deutschen Nachkriegskunst und engagierter Kämpfer für eine gegenstandslose Bildsprache. Das Kunstmuseum Stuttgart besitzt eine bedeutende Anzahl seiner Werke. Seit 2005 ist zudem am Haus das Archiv Baumeister angedockt. Es widmet sich der intensiven Erforschung von Leben und Werk des Künstlers.
Bereits während seiner Lehre als Dekorationsmaler von 1905 bis 1907 nimmt er Zeichenunterricht an der Kunstakademie in Stuttgart. Bald orientiert er sich an den modernen Entwicklungen der französischen Impressionisten. Darüber gelangt er in die Klasse von Adolf Hölzel, der ihn fördert. Ende der 1910er Jahre löst sich Baumeister von der abbildenden Darstellung. Er reduziert Figuren auf geometrischen Formen. Mit den »Mauerbildern« gelingt ihm in den 1920er Jahren der internationale Durchbruch: 1927 hat er seine erste Einzelausstellung in Paris. Zur gleichen Zeit betätigt er sich als Typograf und Gestalter. Er ist verantwortlich für die Druckerzeugnisse der berühmten Werkbundausstellung »Die Wohnung« in Stuttgart. 1928 wird er Professor für Typografie und Reklamegestaltung an der Frankfurter Städelschule.
Die Nationalsozialisten diffamieren Baumeister als »entartet« und entlassen ihn 1933 aus dem Lehramt. 1941 erhält er zudem Ausstellungsverbot. Er zieht sich nach Stuttgart, später nach Bad Urach zurück. Hier entwickelt er seine gegenstandslose Kunst weiter. Auch im Wuppertaler Maltechnikum der Farbenfabrik Kurt Herberts kann er zwischen 1937 und 1944 künstlerische Experimente durchführen. Seine kunsttheoretischen Gedanken dieser Jahre erscheinen 1947 unter dem Titel »Das Unbekannte in der Kunst«. Das Buch wird breit rezipiert. Baumeister steht um 1950 im Zentrum des Richtungsstreits der Kunst der Nachkriegszeit. Dabei gelingt es ihm, die gegenstandslose Kunst als progressive Ausdrucksform zu etablieren. Auch durch die Professur an der 1946 wieder eröffneten Stuttgarter Akademie wird Baumeister zu einem der einflussreichsten Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit zentralen Werkgruppen wie der »Montaru«-Serie ist er 1955 auf der documenta I in Kassel vertreten.