Wilhelm Schnarrenberger

Geboren:
1892, Buchen (Baden), Deutschland
Gestorben:
1966, Karlsruhe, Deutschland
Was Wilhelm Schnarrenberger von seinen neusachlichen Künstlerkolleg:innen unterscheidet, ist seine besondere Mischung aus Zuneigung und Distanz. Er malt das Bürgerliche – Kinderstuben, Familienbilder, Straßenszenen – ohne die Themen zu verurteilen. Genausowenig verklärt er seine Motive. Masken und Requisiten setzt er in seinem Werk als Hinweise darauf ein, dass hinter der Erscheinung immer etwas lauern kann, das sich dem direkten Blick entzieht. Schnarrenberger wächst in Bruchsal und Freiburg auf und studiert ab 1911 Grafik an der Kunstgewerbeschule München. In frühen Arbeiten behandelt er den Ausbruch des Ersten Weltkriegs als kollektives Chaos: Menschenmassen drängen sich in verzerrten Stadtgassen, von Schnarrenberger festgehalten mit federndem Strich, der angesichts des Schreckens fast spielerisch wirkt. Nach dem Ersten Weltkrieg, in den er selbst eingezogen wird, wandelt er seinen expressiver Ausdruck in einen sachlicheren, ruhigeren Stil. 1920 wird er an die Badische Landeskunstschule in Karlsruhe berufen. Mit seinem »Großen Familienbild« von 1925, das sich in der Sammlung des Kunstmuseum Stuttgart befindet, ist er in Gustav Hartlaubs wegweisender Mannheimer Ausstellung vertreten. Diese prägt den Begriff der Neuen Sachlichkeit. 1933 von den Nationalsozialisten entlassen und 1937 als »entartet« verfemt, zieht sich Schnarrenberger mit seiner Familie in eine Schwarzwälder Ferienpension zurück. Dort malt er vor allem Stillleben, in denen er sich den Dingen nun mit derselben stillen Aufmerksamkeit widmet wie zuvor in den Figurenbildern. 1947 kehrt er als Professor nach Karlsruhe zurück und erhält 1962 den Hans-Thoma-Staatspreis.