Verena Loewensberg
1958 findet in der Stuttgarter Galerie Behr die erste Einzelausstellung von Verena Loewensberg in Deutschland statt. Zu diesem Zeitpunkt ist die 1912 geborene Künstlerin seit über 20 Jahren im Kunstbetrieb präsent. Trotz früher Beteiligung an wichtigen Ausstellungen kann sie lange nicht von ihrer Malerei leben. Ihren Unterhalt für sich und die zwei Kinder verdient sie mit Stoffentwürfen sowie von 1960 bis 1966 mit dem Plattenladen City Discount in Zürich – einem Pilgerort für Jazzfans aus aller Welt. Ihr erstes Gemälde verkauft sie erst 1950.
Loewensberg beginnt ihre kunsthandwerkliche beziehungsweise künstlerische Tätigkeit mit einer Ausbildung als Weberin. Parallel dazu nimmt sie Unterricht in modernem Ausdruckstanz. Das Verständnis für Musik und Rhythmik spiegelt sich in ihrer Malerei in der variantenreichen Kombination wiederkehrender Formen wie Kreisen, Vielecken oder zackigen Linien wider.
Der Verzicht auf Werktitel in der Malerei zeigt Loewensbergs künstlerische Haltung. Nichts soll vom Wesentlichen ablenken. Ausdruck ihrer kreativ forschenden Neugierde ist ihre Entwurfstätigkeit. Sie schlägt sich in zahllosen vorbereitenden Skizzen nieder, die die Künstlerin allerdings nach Fertigstellung eines Bildes vernichtet. Loewensbergs wichtigstes Instrument, das sie meisterhaft beherrscht, ist die Farbe. Mittels Kontrasten, fein aufeinander abgestimmter Helligkeitsstufen und farblicher Verwandtschaften bringt sie jeden Farbton zum Klingen.