Rudolf Schlichter

Geboren:
1890, Calw, Deutschland
Gestorben:
1955, München, Deutschland
Rudolf Schlichter ist sowohl im Hinblick auf sein künstlerisches Schaffen als auch hinsichtlich seiner politischen Gesinnung eine höchst widersprüchliche Persönlichkeit. Seine Kindheit verbringt er in ärmlichen Verhältnissen. Seine Mutter, die die Alleinversorgerin der Familie ist, und ein enger Kontakt zur katholischen Kirche prägen ihn nachhaltig. Ab 1907 besucht er die Kunstgewerbeschule in Stuttgart. 1910 schließt er ein weiteres Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe an. Hier wird er intensiv in den Bereichen Zeichnung, Malerei und Drucktechnik ausgebildet. 1919 zieht er nach Berlin und schließt sich einer Vielzahl kommunistisch orientierter Vereinigungen an. Stilistisch folgt er zunächst der Bildsprache des Dadaismus, bevor er sich ab 1925 der Neuen Sachlichkeit zuwendet. 1927 lernt er seine spätere Frau Elisabeth Elfriede, genannt »Speedy«, kennen. In den frühen 1930er-Jahren bricht er mit der Berliner Avantgarde und dem Kommunismus und wendet sich erneut dem Katholizismus sowie dem aufkommenden Nationalsozialismus zu. Seine private, vor allem sexuell ausschweifende Lebensführung passt jedoch nicht zu den nationalsozialistischen Werten. Hierdurch ist er wiederholten Drangsalierungen des NS-Regimes ausgesetzt. Ab 1933 zieht er sich erst in die schwäbische Heimat, später nach München zurück. Fortan prägen christliche Motive und Landschaftsdarstellungen im Stil eines altmeisterlichen Realismus seine Arbeiten. Erst ab 1946 ist Schlichter mit seinem surrealistischen Spätwerk wieder auf öffentlichen Ausstellungen vertreten.