Julio Rondo

Geboren:
1952, Sotrondito, Spanien
Die Beschäftigung mit einem der wichtigsten malerischen Probleme, dem Verhältnis von Bild und Bildgrund, steht im Zentrum des Schaffens von Julio Rondo. 1962 übersiedelte er als Zehnjähriger mit seinen Eltern aus Spanien nach Stuttgart. Dort studiert er von 1974 bis 1980 an der Akademie der Bildenden Künste. Sein Lehrer K. R. H. Sonderborg vertritt als Maler einen abstrakten Expressionismus. Im Vergleich zu Sonderborg sind Rondos Werke jedoch verhaltener in den ausdrucksstarken Gesten. Die Arbeiten wirken überwiegend beruhigt. Rondo konzentriert sich zunächst auf gemalte Collagen aus Farbflächen und grafischen Bildelementen. Inhaltlich aufgeladen werden sie durch bildhafte Titel. Zumeist spielen sie auf Erinnerungen von Rondo an. Auch verrätseln sie die Werke oft, etwa bei dem Triptychon »Place of Virginity Lost 5« in der Sammlung des Kunstmuseums. Ende der 1980er-Jahre beginnt Rondo, das Bild und den Bildgrund voneinander zu trennen. Zunächst montiert er nur einzelne Elemente, etwa Blattgoldfolien, auf der Innenseite der Glasscheibe des Bilderrahmens. Immer stärker aber wird diese Scheibe zum eigentlichen Bildträger. Damit kehrt sich der Prozess des Bildermachens um: Statt die Glasplatte zum Schluss aufzulegen, trägt Rondo die Farbe in Schichten direkt auf ihre Rückseite auf. Im fertigen Bild befindet sich die Glasplatte dann wieder zuoberst, damit aber auch der Bildgrund. Durch die übereinanderliegenden Schichten der Farbe wird der Farbklang erweitert und vertieft. Das Bild scheint daher förmlich hinter der Platte zu schweben. Neben der genannten Arbeit befinden sich im Kunstmuseum Stuttgart auch einige Grafiken von Rondo, die unter anderem im Rahmen des Atelierprojekt Reitzensteiner entstanden sind. Von 1989 bis 2021 unterrichtet er parallel zur künstlerischen Tätigkeit an der Stuttgarter Merz Akademie.