Inge Mahn
Das künstlerische Werk der Bildhauerin Inge Mahn ist stark durch Joseph Beuys geprägt. Sie ist seine Meisterschülerin. Vor allem die Auffassung von Kunst als »Sozialer Plastik« beschäftigt sie. Dieser Begriff bezeichnet ein Verständnis von Kunst als Werkzeug, mit dem gesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt werden können.
Mit ihren Arbeiten, vorwiegend aus Gips, Holz und Metall, geht sie der Frage nach den Grenzen zwischen Kunst und Alltag nach. Dazu konstruiert sie oft großräumige Installationen, bei denen Alltagsgegenstände in einen ungewöhnlichen Bezug zur umgebenden Architektur gesetzt werden. Ihr gestalterisches Ziel besteht darin, den Blick der Betrachter:innen für mögliche neue Gesellschaftsstrukturen zu öffnen. Damit leistet Inge Mahn einen Beitrag zur zweiten, in den 1960er-Jahren aufkommenden Emanzipationsbewegung der Frau. Die Befürworter:innen versuchen dabei unter anderem, das in der immer noch männlich dominierten Kunstwelt herrschende traditionelle Rollenverständnis der Frau aufzubrechen und Künstlerinnen gleichwertige Möglichkeiten zu bieten. Nicht selten sind Mahns Werke trotz ihres politischen Anspruchs auch ein wenig humorvoll.
Schon im Jahr nach ihrem Studienabschluss an der Düsseldorfer Akademie 1971 wird Mahn zur Teilnahme an der documenta 5 eingeladen. Im Anschluss an eine Gastprofessur an der Kunstakademie Düsseldorf und an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig unterrichtet sie von 1987 bis 1993 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und von 1993 bis 2009 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee als Professorin für Bildhauerei.