Dietrich Fricker
Der gebürtige Stuttgarter Dietrich Fricker ist heute vor allem für seine Grafiken, Collagen und Künstlerbücher bekannt. Der Kunst wendet er sich ab 1951 parallel zu seiner Verlagsbuchhändlerlehre zu. Seine handwerklichen Fähigkeiten und seine Bildsprache bringt er sich als Autodidakt bei. Nach einem Jurastudium in Tübingen geht er als Brotberuf einer Tätigkeit im Stuttgarter Ausgleichsamt nach. Als politisch engagierter Künstler kommentiert Fricker das Zeitgeschehen in karikaturhaft überzeichneten Illustrationen in Comic-Manier. Begleitet werden diese von handschriftlich zu Papier gebrachten hintergründigen Texten in dadaistischer Anmutung. Darüber hinaus gestaltet er Objektbilder aus vorgefundenem Material und experimentiert mit Videoarbeiten. Auf seiner Traueranzeige ist als Berufsbezeichnung »Künstler (Fluxus und Happening)« vermerkt, was viel über das Selbstverständnis Frickers verrät: Er selbst hat sich in erster Linie als Vertreter einer performativen Kunst gesehen. Anlass für seine Aktionen und Werke bieten ihm aktuelle Themen wie die Umweltverschmutzung, die atomare Aufrüstung, die Fallstricke der Bürokratie, die Herrschaft des Kapitals oder aber die Umtriebe rechter Gruppierungen. Dabei schöpft das Multitalent seine Bildmotive aus der Geschichte, aus Märchen und Mythen, der Kunst ebenso wie aus den modernen Medien. Für seine dreidimensionalen Arbeiten verwendet er vorzugsweise die Hinterlassenschaften der Wohlstandsgesellschaft. Sie verdichtet er zu aussagekräftigen, vielschichtigen Assemblagen oder Schaukästen. Dietrich Frickers Wirkungskreis erstreckt sich vornehmlich auf die regionale Kunstszene, nicht zuletzt stand er in engem Kontakt zum Stuttgarter Zirkel um Albrecht/d. Vereinzelte Ausstellungsbeteiligungen etwa in Antwerpen oder São Paulo aber würdigen seine Arbeiten auch international.