Caroline Kryzecki
Wenige Jahre nach dem Studium in Düsseldorf von 1998 bis 2003 und Berlin bis 2009 werden großformatige farbige Kugelschreiberzeichnungen zu Caroline Kryzeckis künstlerischem Ausdrucksmittel. Auf der Grundlage eines selbst entworfenen Regelsystems überlagert sie in ihren Zeichnungen unzählige Linien. Dadurch ergeben sich schimmernde Moiré-Effekte und Parallelen zur Struktur von gewebten Textilien. Farblich sind ihre Arbeiten auf die vier Kugelschreiberfarben Blau, Schwarz, Rot und Grün beschränkt. Darin kommt auch eine selbsterklärte Abneigung gegenüber klassischer Malerei zum Ausdruck.
Ihr Interesse für Webtechnik führt sie 2018 in eine Weberei bei Kassel, wo ihr sogenanntes Patronenpapier geschenkt wird. Dieses Rasterpapier wurde im vordigitalen Zeitalter zur Gestaltung von Textilmustern verwendet. Kryzecki lässt sich von den Mustern dieses Papiers anregen und entwirft darauf basierend eigene Systeme. Die Einzelelemente bestehen jetzt aus unzähligen Pinselabdrücken mit Gouache oder Aquarell, mit denen sie die Rasterfelder ausfüllt.
In Kryzeckis Arbeiten, die sie in Serien fertigt, verbinden sich Regelhaftigkeit und maschinell wirkende Wiederholungen mit Farbverläufen und Mustern, die intuitiv gesetzt sind. Der Bildaufbau erinnert mit seinen Einzelelementen an Ergebnisse algorithmischer Prozesse, was Kryzeckis Werke in die Nähe digitaler Bildwelten rückt und die Frage aufwirft, inwieweit sich handwerklich erzeugte und digitale entstandene Motive noch voneinander abgrenzen lassen.