Wie die meisten von Christoph Meckels Diptychen ist die »Zielscheibe« ein Rätselbild ohne Auflösung. Zwei Räume stehen einander im Kontrast von hell und dunkel gegenüber. In beiden Räumen stehen und hängen allerlei Apparaturen. Diese lassen sich als Zielscheiben nutzen. Manche von ihnen sehen aus wie Schaufensterpuppen. Sie erinnern an Körperdarstellung von Oskar Schlemmer in seiner Zeit am Bauhaus in Dessau. Die Objekte scheinen auf Einsatz zu warten. Doch deutet nichts darauf hin, dass ihre stumme Einlagerung bald endet. Zwischen den unbelebten Objekten schleichen kleine menschliche Figuren umher. In der surrealen Szenerie fallen sie allerdings kaum auf. Für Ratlosigkeit und Gruseleffekt sorgt die kopfüberhängende Figuren auf dem rechten Blatt.
Ähnlich komplexe Bildgestaltungen finden sich auch in den anderen Diptychen des Grafikers. Sie entstehen sein 1987 parallel zu den Großen Zyklen. Als intimes Format ermöglichen sie Meckel die Vertiefung eines bestimmten Themas. Die Bildpaare sind oft als Bild und Gegenbild angelegt. Wie ein spätmittelalterliches Andachtsbild lassen sie sich mittels gedachtem Scharnier voneinander weg und zueinander hin klappen.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-138
- Material / Technik: Radierung auf Büttenpapier
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart