Als Konstruktionslinien dient Camille Graesers »Zentrischer Kreuzung« ein einfaches rechtwinkliges Kreuz, das die quadratische Bildfläche in vier kleinere Quadrate unterteilt. Doch ist das Motiv alles andere als statisch. Denn für Craeser ist stets das Moment der Bewegung wichtig. Er erzeugt sie durch Drehung, Verschiebung und Versetzung von Teilelementen innerhalb der Konstruktion.
Hier sorgen leicht diagonal gesetzte Linien für die gesuchte Bewegung. Entlang der Kreuzungslinie begegnen sich drei keilförmige Farbstreifen. Schwarz und Weiß liegen gegenläufig, ein brauner Keil überschneidet sie vertikal. Wo sich die Streifen überlagern, ändern sich die Farben. Auch zwei grünliche Streifenabschnitte werden durch die Überschneidung von Braun sichtbar. Durch den keilförmigen Zuschnitt der Flächen scheinen diese sich gegeneinander zu verschieben. Da dem braunen Keil ein Gegenstück fehlt, wirkt er instabil in seinem Stand und könnte jederzeit nach rechts kippen und dann weitere Bereich des grünen Keils offenlegen.
Graeser entstammt künstlerisch der Klasse Adolf Hölzels und bleibt lebenslang in Verbindung mit Kommiliton:innen wie Willi Baumeister, Lily Hildebrandt oder Oskar Schlemmer. Nach dem Studium arbeitet er zunächst als Gestalter in Stuttgart, verlässt die Stadt aber fluchtartig nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten. In Zürich widmet er sich seit den ausgehenden 1930er-Jahren ausschließlich der freien Kunst. Die »Zentrische Kreuzung« gehört zu dieser wichtigen frühen Werkphase.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- 2009-102
- Material / Technik:
- Acryl auf textilem Bildträger
- Creditline:
- Sammlung Heinz und Anette Teufel im Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart