Auf der transparenten Glasscheibe ist eine Passage aus den »Confessiones« (397–401) des Augustinus abgedruckt. Darunter befindet sich eine Metallplatte mit einem eingravierten Textfragment. Der durch die Glasscheibe hindurchscheinende Neon-Schriftzug schafft eine Verbindung zwischen Fragment und Text. Auf diese Weise könnne informierte Betrachter:innen das Fragment als Absatz Nummer 2.012 aus Ludwig Wittgensteins »Tractatus Logico-Philosophicus« (1921/22) identifizieren.
Joseph Kosuth ist ein wichtiger Vertreter der amerikanischen Konzeptkunst. Sprachlich begründete Prozesse treten an die Stelle traditioneller, form- und inhaltsbestimmter Kunst. Hier vereint Kosuth die Überlegungen von Augustinus und Wittgenstein. Er verdeutlicht, dass Bedeutungen nicht festgelegt sind. Wie Augustinus als Kind lernen musste, welche Objekte durch wiederholtes Aussprechen von Wörtern in bestimmten Situationen Bedeutung erhalten, so betont auch Wittgenstein, dass Dinge ihren Sinn nur im Kontext von Raum und Zeit entfalten. Kosuth verzichtet auf didaktische Erklärungen und schafft durch die Verknüpfung der Texte einen neuen, bedeutungsvollen Kontext. Dieser muss jedoch von den Betrachter:innen selbst erschlossen werden.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- O-2948
- Material / Technik:
- Siebdruck auf Glas, Aluminiumguss und warmweißes Neon
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
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