Mit dem Bildtitel beschreibt Martin Creed seine Arbeit in aller Kürze und doch ganz genau: »A sheet of paper torn up«. Wir sehen ein Blatt Papier, das in kleine Stücke gerissen wurde. Aus dem Titel geht zudem hervor, wie weitere Ausführungen des Werks hergestellt werden können: Man nehme ein Blatt Papier und zerreiße es in beliebig viele, aber etwa gleich große Stücke.
Im Museum werden sie auf einem klassischen weißen Sockel gezeigt und sorgen für Irritation. Eine Reaktion könnte sein: Das ist doch nicht ernst gemeint. Doch genau das ist es, was Creed mit seinem Werk beabsichtigt: Er konfrontiert uns mit unserer Erwartung von Kunst. Zugleich spiegelt sich darin seine eigene kritische Einstellung gegenüber dem herrschenden Kunstbetrieb.
Arbeiten wie das zerrissene Blatt Papier fügen sich in das humorvolle Schaffen des vielseitigen Konzeptkünstlers Creed. Alle Werke sind fortlaufend nummeriert. Sie sind Teil eines jahrzehntelangen Versuchs, hinter die Geheimnisse der Kunst zu schauen. Bei vielen seiner Stücke arbeitet er mit ähnlich einfachen Mitteln. Dabei steht für ihn fest: Kunst kann grundsätzlich alles. Nur unterhaltsam sollte sie sein.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- 2004-020
- Material / Technik:
- Amerikanisches Briefpapier, Plexiglas und Holz
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart