wie koche ich ein / wie koche ich aus
wie schlafe ich ein / wie schlafe ich aus
wie lege ich ein / wie lege ich aus
wie steige ich ein / wie steige ich aus
wie stelle ich ein Bein / wie hole ich aus
wie holt man sich am meisten aus …
Anne Marie Jehles Kunst bewegt sich in einem Spannungsfeld von persönlicher Wahrnehmung der eigenen Rolle als Künstlerin und als Frau und den Erwartungen, die die Gesellschaft mit diesen Rollen verbindet. Einhergehend damit sind Machtverhältnisse ebenso ein immer wiederkehrendes Thema in ihrer Kunst. Ihre Werke, die sie aus Materialien des Alltags fertigt, lassen sich als feministische Selbstbehauptung verstehen.
Ihr Gedicht »wie koche ich ein« formuliert Jehle auf feiner, etwas fleckiger Tortenspitze. So wirkt der Text zunächst wie Gedanken, die in der Küche beiläufig notiert wurden. Poetisch spielt Jehle dabei mit dem Gegensatz von »ein« und »aus«. Der Rhythmus der Zeilen, in dem sich bei jedem Paar immer nur das letzte Wort ändert, lässt sich auch im Schriftbild gut nachvollziehen. Dabei bewirkt dieser kleine Wechsel eine vollständige Veränderung der Bedeutung des jeweiligen Satzes. Zum Ende des Gedichts löst Jehle sich aus dem starren Gefüge ihres Textes. Zudem wird aus »ich« »man«. Das »Ich« fragt sich, wie es durch das Beinstellen in die Sphäre eines anderen eindringen kann. Wie in vielen Arbeiten von Jehle zeigt sich auch hier erneut ihr humorvoller, zugleich aber auch ironischer Umgang mit Sprache
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-040
- Material / Technik: Faserschreiber auf Papier
- Creditline: Schenkung Anne Marie Jehle Stiftung
Lizenzhinweis
© Nachlass Anne Marie Jehle / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart