Rolf Nesch spürt dem ausgelassenen Treiben der Wasservögel in schwungvoller Linienführung nach. Die schwarzen Konturen der Tierkörper betonen dabei ihre kraftvollen Bewegungen. Während sich in der rechten Bildhälfte zwei Vögel im waghalsigen Flug ins Wasser stürzen, steht ein weiterer Vogel in der linken Bildhälfte auf einem knorrigen Treibholz. Er richtet sich zu voller Größe auf, legt den Kopf in den Nacken und scheint mit weit aufgerissenem Schnabel zu schreien. Vor dem ruhigen Himmel verbinden sich die Vogelkörper mit der Landschaft zu einer Komposition aus wirbelnden, organischen Formen, deren Energie sich einer entfesselten Urgewalt gleich zu entladen scheint.
Um der nationalsozialistischen Diktatur zu entfliehen, wandert Nesch 1933 nach Norwegen aus. Das Aquarell »Wasservögel« entsteht hier ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs; fast scheint es, als habe Nesch in ihm der empfundenen Befreiung Ausdruck verleihen wollen. Im Gegensatz zu den vom Expressionismus geprägten frühen Werken ist das Treiben der Wasservögel in einer abstrakten Bildsprache gehalten, die Neschs Arbeiten ab 1933 bestimmt.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- A-0400
- Material / Technik:
- Aquarell auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart