Wald im Nebel

Peter Gransers mehrteilige Arbeit »Was einem Heimat war« besteht aus mehreren Foto-Serien von Panzermunition, Landschaften und Detailaufnahmen einer Wiese, sowie einer fünfteiligen Panoramaaufnahme und einem Video mit Ton. Die in Farbe aufgenommenen Geschosse der Panzermunition stehen aufrecht und einzeln wie ein Monument vor einem neutralen hellen Hintergrund. Landschaftsaufnahmen in Schwarzweiß zeigen Wiesen, Wege und Bäume, zwischen denen Granattrichter sowie betonierte Mauer- und Geländestreifen zu erkennen sind. Schmale, aus dem dunklen Bildgrund hervorleuchtende horizontal verlaufende Streifen geben die hügelige, teilweise bewaldete Landschaft als Panorama wieder. Diese sind durch den Sehschlitz eines Bunkers aufgenommen. Die Videoarbeit zeigt in kaum wahrnehmbaren Veränderungen schemenhaft eine große Baumgruppe, die zu musikalischer Untermalung langsam aus dem Nebel auftaucht. Schauplatz der Arbeit ist das Dorf Gruorn auf der Schwäbischen Alb, das zwischen 1937 und 1939 kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs zwangsgeräumt wird, um den Truppenübungsplatz Münsingen zu vergrößern. Das Gelände dient noch bis 2005 als Testgebiet für Militärkampfmittel und ist heute als Biosphärenreservat in Teilen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Spuren des verschwundenen Dorfes und der militärischen Nutzung legt Granser in seiner forschenden Arbeit offen. Über allem schwebt das Schicksal der Bevölkerung Gruorns, die ihre Heimat verlassen mussten.
Werkdaten
Inventarnummer:
2017-005d
Material / Technik:
Videoinstallation mit Ton
15:50 min.
Creditline:
Kunstmuseum Stuttgart, Schenkung des Künstlers
Lizenzhinweis
© Peter Granser / Foto: Peter Granser, Stuttgart
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