Verspottung Christi

Größe70,5 x 78 cm
Gemälde der Verspottung Christi in einem gemauerten Raum. Christus unter dicht gedrängten Menschen mit verzerrten Gesichtern.
In der Ecke eines Kerkers inszeniert Rudolf Schlichter das Motiv der »Verspottung Christi« als gewaltsame Massenszene. Die Figuren stapeln sich pyramidenartig in die Höhe des Bildraumes. Ihre Blicke sind auf Christus gerichtet. Dieser befindet sich mit schmerzerfülltem Gesicht, aber beherrschter Körperhaltung im Zentrum des Handgemenges. Ein grobschlächtiger Mann schnürt ihm den Dornenkranz um den Kopf. Ein anderer holt links daneben zur Ohrfeige aus. Zwei römische Soldaten beobachten das Geschehen mit Genugtuung. Die Gesichter aller Figuren, mit Ausnahme Christi, sind zu grotesken Fratzen verzerrt. In ihnen gehen teilweise Erinnerungsporträts von Personen aus Schlichters näherer Umgebung ein. Schlichter ist in seinem Denken Anfang der 1930er Jahre stark antisemitisch und nationalistisch geprägt. Er steht dem Kreis um den Schriftsteller Ernst Jünger (1895–1998) nahe. Doch zugleich eckt er aufgrund seiner privaten Lebensführung beim NS-Regime an. Dies führt, beginnend mit dem Bild »Verspottung Christi«, ab 1933 zu einer inneren Emigration Schlichters: Er zieht sich erst in die schwäbische Heimat, später nach München zurück. In seiner Malerei greift er christliche Motive auf und geht stilistisch den Weg altmeisterlicher Malerei. In diesem Rahmen nutze er wiederholt Allegorien wie bei dem hier gezeigten Gemälde, um versteckte Kritik am NS-Regime zu üben.
Werkdaten
Inventarnummer:
O-2450
Material / Technik:
Öl auf Leinwand
Creditline:
Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Galerie Alvensleben / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart
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