Im Jahr 1933 malt Ida Kerkovius ihr erstes vollkommen ungegenständliches Gemälde. Das hier gezeigte Werk »Verkündigung« entsteht ein Jahr zuvor und ist ein vorbereitender Schritt auf diesem Weg. Indem Kerkovius geometrische Grundformen nebeneinandersetzt und ineinander verschachtelt, verbindet sie die zunächst voneinander getrennt erscheinenden Flächensegmente zu größeren Komplexen. Dabei unterscheidet sie nicht zwischen solchen Formen, die sich im Bildraum zu Objekten verdichten und solchen, aus denen sich der Hintergrund zusammensetzt. Beide Ebenen verbinden sich zu einem gemeinsamen, streng gebauten, flächigen Gerüst. Daraus treten letzte Anklänge von Gegenständlichkeit hervor: Das scheinbar schwebende Oval eines Kopfes, der in seiner puppenhaften Ausführung an die Figurendarstellungen Oskar Schlemmers erinnert, verbindet sich bei genauerer Betrachtung über ein wallendes blaues Gewand mit einem angewinkelten und einem herabhängenden Bein zu einer sitzenden Figur. Durch das Einweben subtiler Details, etwa der isolierten augenartigen Formation am oberen Bildrand gelingt es Kerkovius, dem streng geometrischen Bildaufbau etwas Traumartiges einzuhauchen. Parallelen zu den Werken Paul Klees sind dabei kein Zufall: Von 1920 bis 1923 kommt Kerkovius als Studentin am Bauhaus mit dessen Lehre in Kontakt.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- O-1808
- Material / Technik:
- Öl auf Leinwand, auf Hartfaserplatte aufgezogen
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Provenienz
1932–1968 Ida Kerkovius, Stuttgart; 1968 Städtische Galerie, Stuttgart
Lizenzhinweis
© Kerkovius Archiv Wendelstein / Foto: Kunstmuseum Stuttgart