Im Zentrum steht eine schwangere Frau in einem angedeuteten Raum mit Kamin. Kara Walker stellt sie in übertrieben herausgearbeiteten Körperformen und klischeehaften Merkmalen dar. Es sind Stereotype, mit denen sich Schwarze Menschen konfrontiert sehen. Doch die Frau in Walkers Zeichnung zeigt sich in einer stolzen, selbstbewussten Haltung, die durch die provokante Geste des gestreckten linken Mittelfingers zusätzlich unterstrichen wird. Lässig lehnt sie sich mit dem linken Ellenbogen auf den Kaminsims. Die Zehen des linken Fußes berühren gerade noch den Boden, auf dem sich eine Pfütze, wohl von der geplatzten Fruchtblase, gebildet hat. In der rechten Hand hält sie einen undefinierbaren Gegenstand. Er ist ebenso uneindeutig gezeichnet wie die übrigen Gegenstände im Raum. Die Darstellung lässt sich mit Blick auf Walkers Gesamtwerk und der darin immer wieder thematisierten Geschichte der Südstaaten in den USA deuten: Zwischen Plantagenbesitzern und Sklavinnen wurden oft Mischlingskinder gezeugt, um zukünftig weitere Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben.
In ihren Werken geht Walker unter anderem Fragen einer durch kulturelle Muster festgeschriebenen Identität, Geschlechterrollen und dem aus ihrer Sicht noch immer fehlenden Selbstbewusstsein Schwarzer Menschen nach.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- 2022-062
- Material / Technik:
- Grafitstift und Kohle auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Kara Walker, Courtesy Sprüth Magers and Sikkema Jenkins & Co. / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart