Auf diesem Blatt skizziert Kara Walker eine weibliche nackte Figur, die leicht zu uns gedreht steht. Vom Hals abwärts deuten Schraffuren Schwarze Haut an. Der im Verhältnis zum Körper zu große Kopf ist zum Rücken hin gewendet; die Haare sind vorne kurz und hinten lang. Das Gesicht ist im Profil wiedergegeben. Es ist Weiß und lässt an eine männliche Person denken. Auffällig sind zwei Augen, die aus dem langen Haar herausschauen.
Die Darstellung lässt sich inhaltlich mit einem Blick auf Walkers Biografie und die Geschichte der amerikanischen Südstaaten erschließen: Walker zieht im Alter von 13 Jahren mit ihren Eltern aus einer eher liberalen Umgebung in Kalifornien in das als rassistisch geltende Stone Mountain außerhalb von Atlanta im Südosten der USA. Die Augen auf dem Hinterkopf der dargestellten Figur erinnern an die Kopfbedeckungen des dort im 20. Jahrhundert sehr aktiven rassistischen, gewalttätigen Ku-Klux-Klan. Vor diesem Hintergrund wirkt die Geste mit dem ausgestreckten Arm als schutzlose Darbietung des Oberkörpers.
Durch das Wechselspiel von Schwarz und Weiß, männlich und weiblich, vorne und hinten stellt Walker vermeintlich feststehende Gesetzmäßigkeiten infrage. Sie hält uns dazu an, über das Gezeigte nachzudenken.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- 2022-061
- Material / Technik:
- Kohle auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Kara Walker, Courtesy Sprüth Magers and Sikkema Jenkins & Co. / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart