Sechs Personen drängt Otto Dix auf engstem Raum im Unterstand zusammen. Im Vordergrund steht links ein nackter hagerer Mann mit Brille, der ein Tuch vor seinen Körper hält. Scheinbar fern jeglicher Realität des Krieges blickt er nachdenklich auf den Boden. Der Mittelgrund wird von einem groben Mann mit verkniffenem Gesicht bestimmt, der in seiner körperlichen Erscheinung im Kontrast zu der erschöpften Figur im Vordergrund steht. Er sitzt mit einem zweiten, ihm zugewandten Mann an einem Tisch und spielt Karten. Das grelle Licht lenkt die Aufmerksamkeit auf die Ablenkung durch das Spiel. Im Hintergrund schlafen drei weitere Männer in einer beklemmend beengten Bettkonstruktion. Die dicht gedrängte Szene führt uns eindringlich den bedrückenden Alltag im Schützengraben an der Front vor Augen.
Otto Dix wird 1914 eingezogen und meldet sich 1915 freiwillig an die Front. Bis zu seiner Entlassung 1918 führt er ein detailliertes Kriegstagebuch und fertigt zahlreiche Zeichnungen an. Daraus entsteht der Radierzyklus »Der Krieg«. Er führt uns das Grauen in beklemmender Schärfe vor Augen. Dix zeigt den Krieg mit unerbittlicher Nüchternheit. Diese sachliche Direktheit macht seine Kriegsbilder so erschütternd. Nichts im Bild bietet die Möglichkeit, dem Anblick für einen Moment auszuweichen.
Werkdaten
- Inventarnummer: R-2307ee
- Material / Technik: Radierung auf Papier
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart