Rolf Neschs Triptychon »Spaziergang im Herbst« zeigt eine Reihe wunderlich anmutender Kreaturen. Sie scheinen wie aus losen Versatzstücken zusammengesetzt zu sein. Auch der dunkelgraue Hintergrund jedes Einzelbildes ist von weißen schnipselartigen Teilflächen übersät. Auf diese Weise verschmelzen die mosaikartigen Körper der Wesen mit dem detailreichen Bildhintergrund zu einer Art Collage. Die auf den ersten Blick empfundene Unübersichtlichkeit lichtet sich bei genauerer Betrachtung: Die Figuren lösen sich durch ihre Farbigkeit vom Bildhintergrund. Zudem zeigt sich in der Gesamtschau der drei Metalldrucke der symmetrische Aufbau der Komposition: Während in den beiden äußeren Drucken menschenähnliche Figuren zu erkennen sind, scheinen sich in der mittleren Grafik tierartige Wesen zu befinden.
1933 wandert Nesch aufgrund der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Norwegen aus. Anders als in Hamburg, wo er Erfolge erzielen kann, sind die ersten Jahre hier durch große Entbehrungen geprägt. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhält Nesch mit seinem Spätwerk, zu dem auch »Spaziergang im Herbst« zählt, breite Anerkennung. Das Triptychon ist im Gegensatz zu den vom Expressionismus geprägten frühen Werken in einer abstrakten Bildsprache gehalten, die Neschs Arbeiten ab 1933 bestimmt.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- V-0047
- Material / Technik:
- Farbiger Metalldruck auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart