Das Aquarell »Sonnenaufgang« besitzt eine bemerkenswerte Strahlkraft. Die Sonne im kompositorischen Mittelpunkt taucht die umliegende Landschaft in gleißendes Licht. Kräftige Lichtstrahlen gleiten über die Berge im Hintergrund zum Himmel empor. Auch der Vordergrund des Bildes, der durch dunkle Blau- und Grüntöne geprägt ist, wird durch das goldgelbe Licht gerahmt. Eine menschenähnliche Gestalt löst sich kaum merklich aus der Landschaft. An einen Felsen gelehnt und ganz im Moment versunken, betrachtet sie den Anbruch des neuen Tages. Während der Schein um ihren Kopf sie als Heilige markiert, mutet ihr Unterkörper beinahe geisterhaft an. Durch die formale Auflösung des Bildraums in Teilflächen und einen lasierenden Farbauftrag erzeugt Mueller eine Bildwirkung, die der Brechung von Lichtstahlen in einem Prisma ähnelt.
Das Bild existiert unter demselben Titel in mehreren, nur leicht voneinander abweichenden Ausführungen. Es kann als Vorläufer einer um 1920 einsetzenden Schaffensphase angesehen werden, in der sich Mueller verstärkt religiösen Themen zuwendet und Erfahrungen eines mystischen Welterlebens ins Bild setzt. Formal behält Mueller die expressive Farbigkeit bei, die seine Arbeiten bereits seit 1915 prägen. Gerade in der Technik des Aquarells wird Mueller im Farbauftrag jedoch transparenter und in der Formensprache sphärischer.
Das Bild existiert unter demselben Titel in mehreren, nur leicht voneinander abweichenden Ausführungen. Es kann als Vorläufer einer um 1920 einsetzenden Schaffensphase angesehen werden, in der sich Mueller verstärkt religiösen Themen zuwendet und Erfahrungen eines mystischen Welterlebens ins Bild setzt. Formal behält Mueller die expressive Farbigkeit bei, die seine Arbeiten bereits seit 1915 prägen. Gerade in der Technik des Aquarells wird Mueller im Farbauftrag jedoch transparenter und in der Formensprache sphärischer.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- A-0767
- Material / Technik:
- Aquarell auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Nachlass Albert Mueller / Galerie Schlichtenmaier / Foto: Kunstmuseum Stuttgart