1912 wird Oskar Schlemmer ein Schüler Adolf Hölzels an der Stuttgarter Kunstakademie. Inspiriert von den Werken seines Lehrers widmet er sich der Abstraktion. Er arbeitet in diesem Stil jedoch nur in seinem späteren Werk zu einem gewissen Anteil. Dabei konzentriert er sich auf die menschliche Figur, die er in geometrischen Formen darstellt. In seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus in Weimar und Dessau nähert er sich dem Thema »Der Mensch« auf philosophischer und kunsthistorischer Ebene. Sein Idealtypus des Menschen ist stark mit der generellen Formensprache des Bauhaus verbunden. Bei der Reduktion der menschlichen Figur auf geometrische Formen richtet Schlemmer sein Augenmerk auf die Bewegungsmechanismen des Körpers und Maßverhältnisse. Dementsprechend schreibt er in sein Tagebuch: »Die Darstellung des Menschen wird immer das große Gleichnis für den Künstler bilden.«
Der moderne Mensch, wie ihn Schlemmer in seinen Arbeiten in Form der »Kunstfigur« zeigt, ist nicht an die Zeit gebunden. Es ist eine allgemeingültige Darstellungsweise, die er in seinem Werk anstrebt. Wichtig ist ihm dabei auch die Eingebundenheit der Figur in den Raum und das Verhältnis von Raum und Figur zueinander. Auch nach seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten arbeitet Schlemmer weiter an diesem Ansatz. Die 1936 entstandene Arbeit »Sitzende vom Rücken« zeigt gewisse Anklänge an die berühmte »Bauhaustreppe«, die Schlemmer 1932 malt. Das Gemälde zeigt das Treppenhaus der Werkkunstschule in Dessau. Es gilt als eine Ikone der Klassischen Moderne in Deutschland und wird schon 1933 für das Museum of Modern Art in New York angekauft.
Werkdaten
- Inventarnummer: O-0964
- Material / Technik: Öl auf Ölpapier, auf Pappe aufgezogen
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
Foto: Uwe H. Seyl, Stuttgart