Die Schatten fallen lotrecht in Wolfgang Werkmeisters Grafik. Sie zeigen an, dass Zeit ist für die titelgebende Siesta. Deshalb scheint im Bildvordergrund eine Figur mit Strohhut im Gesicht zu ruhen. Doch wer genauer hinschaut, sieht, dass hier kein Mensch auf einer Matte im Strand schläft. Überhaupt ist die ganze Szenerie menschenleer. Geisterhaft wehen Kleider in der Bildmitte auf einer Wäscheleine. Sie sind lediglich Auslassungen vor dem sattschwarzen Hintergrund der geduckten Häuser. Auch diese wirken wie Schatten. Sie kauern unter einem dunklen Himmel, der ein Unwetter ankündigt. Die aufgeladene, gespannte Stimmung entsteht vor allem durch die starken Hell-Dunkel-Kontraste. Sie sind typisch für die Werke des 1941 geborenen Grafikers.
Die Darstellung des Fischerboots wirkt da schon versöhnlicher. Hier führt Werkmeister alle Mittel der Radierung von der Aquatinta bis zur Kaltnadel zusammen. Kompositorisch durchkreuzt es als Diagonale die ansonsten horizontal verlaufenden Linien. Es hat eine »Auszeit vom Wasser«, auch wenn der Sandstrand, ja alle Elemente um das Boot herum in Wellen zu gehen scheinen. Ruhe und Bewegung, hell und dunkel, Frieden und Bedrohung streiten in der kontrastreichen Komposition um die Vorherrschaft.
Werkdaten
- Inventarnummer: R-2020
- Material / Technik: Radierung auf Papier
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
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