In mehr als 160 Selbstporträts hat sich Otto Dix in verschiedenen Rollen und Befindlichkeiten im Laufe seines Lebens gemalt. 1942 zeigt er sich, wie er im weißen Malerkittel vor einem aufwendig geformten roten Vorhang sitzt. Ein solcher Hintergrund wird in der älteren Kunst eigentlich zur Auszeichnung von Herrscherporträts verwendet. Dort platziert sich Dix nun selbst, mit Pinsel und Palette in den Händen. Doch inszeniert sich Dix keineswegs als Malerfürst. Denn Werkzeuge und Farbflecken auf dem Umhang zeigen, dass nur er selbst Hand anlegen kann an sein Bild. Für Dix ist der Maler das »Auge der Welt«. Denn »der Maler lehrt die Menschen sehen, das Wesentliche sehen, auch das, was hinter den Dingen ist.«
Mit nach vorne gebeugtem Oberkörper und aufrechter Kopfhaltung wendet er sich direkt dem eigenen Spiegelbild als Betrachter zu. Seine Gesichtsmimik, der konzentrierte, überlegende Blick, die in Falten gelegte Stirn und die Strenge der Mundpartie drücken seine Nachdenklichkeit aus. Auch wir als Betracher:innen können uns seinem Blick nicht entziehen.
Im Hintergrund drängen sich dunkle Wolkenmassen über einer im Dunkel liegende Berglandschaft. Dix spielt hier einmal mehr mit Verweisen auf altmeisterliche Kunst. Zugleich kann der Landschaftsausblick als Symbol für die bedrohliche Gegenwart gelesen werden.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2015-009
- Material / Technik: Öl auf Holz
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart, erworben 2015 mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Landeshauptstadt Stuttgart und der Wüstenrot Stiftung
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart