Mit Beginn der Mobilmachung meldet sich Otto Dix im August 1914 freiwillig zum Kriegsdienst und tritt die Ausbildung zum Artilleristen an. Auf dem Selbstporträt aus dem gleichen Jahr ist das Gesicht unter dem Helm mit dem hervorblitzenden Augenweiß und derhervorgehobenen Nase den Betrachter:innen zugewandt. Die rot gefleckten Wangen und die grünen Partien über Mund, Kinn und Schläfen auf violett-grauer Haut vermitteln Entschlossenheit und Anspannung. Kraftvoll unterstreicht das leuchtende Rot des Rockkragens die Gesichtszüge des 23-jährigen Soldaten und sticht wie das Goldgelb der funkelnden Abzeichen und Schmuckelemente des Helms und der Rockknöpfe aus dem Bildnis heraus.
Dadurch wird das, was sich als Gemütslage im Gesicht zeigt, mit der Bestimmung des Menschen durch die Uniform in direkten Zusammenhang gebracht. Der Umriss von Schultern und Gesicht wiederholt sich in grautonigen, der Umriss des Helms in roten schwungvollen Pinselzügen und setzt sich auf der rechten Seite in dunkeltonigen Stufungen in den goldgelben Bildraum fort. In der linken oberen Ecke hat der Künstler in großer Pinselschrift seine Signatur, in der rechten unteren Bildhälfte am Rand das Entstehungsjahr seines Selbstporträts platziert. Auf der Rückseite zeigt ihn das »Selbstbildnis als Soldat« aus dem gleichen Jahr in Form eines Brustbildes in Uniform.
Die Besitzgeschichte des Gemäldes wurde 2021 neu erforscht, weist aber noch immer Lücken auf. Die Vorbesitzerin Paula Risch hat das Gemälde wohl in den 1920er Jahren erworben, höchstwahrscheinlich aber nicht vom Künstler selbst. Von diesem Gemälde auf Rückseite hat sie keine Kenntnis gehabt.
Werkdaten
- Inventarnummer: O-1859
- Material / Technik: Öl auf Papier
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Provenienz
1914–? Otto Dix; vermutl. 1920/32–bis Juni 1970 Paula Risch, Berlin/Bregenz; Juni 1970 Auktion Kornfeld und Klipstein Bern; Juni 1970–heute E: LHS Stuttgart, B: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart