Selbstbildnis

Selbstbewusst blickt uns der junge Mann entgegen. Das Gesicht ist im Dreiviertelprofil dargestellt, die gemalten Augen suchen Blickkontakt. Mit in die Stirn geschobenem Hut, Anzug, Krawatte und vor allem kritisch-distanziertem Gesichtsausdruck präsentiert sich der Kunststudent Willi Baumeister in diesem »Selbstbildnis« von 1910.
Das Gesicht, die Kleidung, ebenso der Hintergrund, sind mit pastosem Pinselstrich aufgetragen. Zwischen den Farbflächen scheint der Bildträger durch: Der bräunliche Karton wird dadurch selbst zum Bildelement. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Fenstern im Hintergrund: Es sind schlicht freigelassene Flächen – eine für die Zeit ungewöhnliche Maltechnik.
Das Selbstporträt entsteht während Baumeisters Studienzeit an der Kunstakademie in Stuttgart. Später äußert er dazu: »Nach 2 oder 3 Semestern, wurde meine Bemühung vom Professor endgültig als unbegabt abgelehnt. Da ich jedoch eisern bestrebt war, trotz allem Maler zu werden, ergab sich ein unlösbares Problem.« Letztlich nimmt ihn der fortschrittliche Professor Adolf Hölzel in seiner Klasse auf. So kann Baumeister sein Kunststudium doch fortsetzen. Mit seinen Studienkolleg:innen diskutiert er unter anderem über die Frage »Welche Motive wählt sich der Maler?« und bemerkt dazu: »Wir sprachen oft und ausgiebig über das Selbstporträt. Ich neigte nicht dazu. Ein einziges versuchte ich und glitt dabei in die Selbstironie.«

Werkdaten
Inventarnummer: BB-29
Material / Technik: Öl auf Karton, auf Spanplatte aufgezogen
Creditline: Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart
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