Eingebettet in ein Dickicht aus Blumen, Sträuchern und Bäumen bahnt sich Rudolf Schlichters titelgebender Schwarzwaldbach den Weg durch das Unterholz. Aus der Tiefe des Bildes fließt er zunächst in vertikaler Richtung. Auf Höhe der Bildmitte verbreitert er sich zu einem kleinen Tümpel und verschwindet im Vordergrund hinter einer Böschung. Formal fällt insbesondere die Detailvielfalt der Bildkomposition und die große Genauigkeit bei der zeichnerischen Umsetzung der einzelnen Bildelemente auf. Trotz der naturgetreuen Darstellung der Landschaft wirkt die Szene durch die große Anzahl organischer Formen, die sich nahezu über die gesamte Bildfläche ranken, überladen und dadurch romantisch verklärt.
Das Jahr 1927, in dem die Zeichnung »Schwarzwaldbach« entsteht, ist in Schlichters Leben und künstlerischen Schaffen ein Wendepunkt: Er lernt seine spätere Frau Elfriede Elisabeth »Speedy« Schlichter kennen. Durch ihren Einfluss verlässt er die Berliner Avantgarde und die Kommunistischen Partei. Stattdessen wendet er sich dem Katholizismus und dem aufkommenden Nationalsozialismus zu. Auch seine Verbundenheit zum Schwarzwald und der Schwäbischen Alb lässt er in Besuchen der schwäbischen Heimat wieder aufleben. Bei der formalen Gestaltung seiner Bilder beginnt sich Schlichter an traditionellen Darstellungsweisen etwa von Albrecht Dürer oder Albrecht Altdorfer zu orientieren.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- Z-1582
- Material / Technik:
- Bleistift auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Galerie Alvensleben / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart