Schwarz - Zentral über Farbe

Größe181,5 x 91 cm
Während in früheren Jahrhunderten durch die konsequente Verteilung von Licht und Schatten auf dem Bildraum Plastizität und Tiefenräumlichkeit erzeugt wird, gelingt es Lothar Quinte, dies in die Abstraktion zu übertragen. Der gestische Pinselstrich weicht zunehmend einer reinen Licht- und Farbmalerei. Was zunächst einfach erscheint, erweist sich für Quinte als komplexer Malvorgang. Den physikalischen Gesetzen folgend trägt er zunächst Spektralfarben in vertikalen Bahnen auf und übermalt sie in einem weiteren zeitintensiven Schritt mit dünnflüssigem Weiß. Lediglich am oberen und unteren Bildrand sind die zuerst aufgetragenen Farben zu erkennen. Durch die Zugabe von nur wenig Bindemittel wirken die weißen Farbpigmente fast durchscheinend. In einem nächsten Schritt malt Quinte die schwarze Vertikale, die verhindert, dass sich der Lichtraum verliert. Mit der zur Mitte hin sich steigernden Intensität der schwarzen Farben verstärkt sie die tiefenräumliche Wirkung. Das Ergebnis ist ein klangvoller, aber auch tiefe Ruhe ausstrahlender Lichtraum. Lothar Quintes Beschäftigung mit Licht findet in seinen zahlreichen Farbfenstergestaltungen einen Höhepunkt. Sie werden vollkommen vom Licht durchdrungen. Wie bei den gemalten Bildräumen strebt er auch bei seinen Fenstern nicht nach inhaltlicher oder spiritueller Darstellung, sondern lenkt den Blick auf zwei grundlegende Elemente der Malerei – Licht und Farbe. Sie sind auch das Hauptthema seiner Kunst, zu dem er im Laufe der 1960er-Jahre findet. Er wendet sich damit ab von der gestischen Abstraktion des Informell, das unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg die Malerei dominiert.
Werkdaten
Inventarnummer:
O-2589
Material / Technik:
Acryl auf Leinwand
Creditline:
Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart
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