Den Ersten Weltkrieg erlebt Reinhold Nägele 1917 und 1918 als Gefreiter an der Feldpoststelle der Fliegerbeobachterschule im flämischen Diest. Dort entstehen Skizzen von den sogenannten Soldatenbuden, also den Mannschaftsunterkünften, und Nägeles Dienstzimmer, aber auch von Ansichten und Architekturdetails der Stadt Diest sowie der belgischen Landschaft und ihren Bewohner:innen. Die Skizzen bilden 1920 die Grundlage für das »Belgische Schwarzweißbuch«, eine Radierfolge aus 13 Ätzradierungen einschließlich Titelblatt. Die Technik der Radierkunst eignet sich Nägele in den Jahren 1910/11 an. Neben der Tempera- und Hinterglasmalerei ist sie bis 1933 eines seiner wesentlichen Ausdrucksmittel. Dabei kommt die Ätzradierung Nägeles zeichnerischer Stärke und dem Detailreichtum seiner Darstellungen entgegen. Im Gegensatz zur Kaltnadelradierung ermöglicht sie es ihm, das Motiv – ähnlich wie beim Malen/Zeichnen eines Bildes auf Papier – ohne Widerstand der Radierplatte in den Ätzgrund einzuarbeiten. Bei seinen Grafiken verzichtet Nägele bis auf wenige farbig aquarellierte Drucke auf die Verwendung von Buntfarben, worauf bereits der Titel »Schwarzweißbuch« dieser vorliegenden frühen Radierfolge verweist.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- R-0296e
- Material / Technik:
- Radierung auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart