In seinem 1961 verfassten Manifest fordert Markus Prachensky, die Individualität des Schaffenden in den Vordergrund zu stellen. Wirkliche Malerei entsteht für ihn nicht durch intellektuelle Berechnung, sondern ist Ausdruck des Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen und der dazugehörenden Spiritualität. Prachensky beschließt sein Manifest mit den Worten: »[…] retournons à la peinture« (dt.: »[…] kehren wir zur Malerei zurück«).
Nach dem Abschluss seines Studiums der Architektur und Malerei in Wien entstehen zunächst Arbeiten, die vom Gedanken der Architektur getragen sind, oder wie er es formuliert: mit Händen gebaut werden. Dementsprechend überwiegen eher geometrische Formen. Da ihn dies jedoch in seiner Malerei nicht voranbringt, entwickelt er seine gestische Bildsprache, die er ab Ende der 1950er-Jahre insbesondere mit roter Lackfarbe im Bild umsetzt. Rot ist von nun an seine wichtigste Malfarbe. Sie ist für ihn Feuer, Liebe, Kraft und Energie – der Lebenssaft schlechthin. So trägt er die rote Farbe mit energiegeladener Geste auf meist helle oder später auch schwarze Leinwände auf. Ausgehend von einem mittig plazierten Ballungszentrum greift die Farbe in den Raum und kann dabei mal intensiver, mal durchscheinender sein. Bei aller Spontaneität spielt dabei die Beherrschung der technischen Umsetzung eine wesentliche Rolle, denn die Form muss den Bildraum so einnehmen, dass eine ausgewogene Komposition entsteht. Zudem dürfen die nicht kalkulierbaren Effekte, wie die Farbspritzer oder die frei fließende verdünnte Farbe, das Gleichgewicht nicht stören. Die Titel weisen bei Markus Prachensky auf Orte der Entstehung und der Erinnerung.
Werkdaten
- Inventarnummer: O-2737
- Material / Technik: Lack auf Leinwand
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Brigitte Prachensky / Foto: Kunstmuseum Stuttgart