Um 1905 konzentriert sich Hermann Pleuer zunehmend auf Details, die er in einem prägnanten Ausschnitt präsentiert. Hier sind die roten Triebräder der Lokomotive in einer wagemutigen Komposition wiedergegeben. Sie nehmen fast die gesamte rechte Bildhälfte ein und werden so zum eigenständigen Motiv.
In den Reparaturwerkstätten gehört der Wechsel der Radlager zu den geläufigen Wartungsarbeiten. Dabei werden das Fahrwerk und die Lokomotive getrennt und die Räder abmontiert. Im Hintergrund wird durch die Wiedergabe der Werkshalle mit den massiven schwarzen Lokomotiven die Arbeitsumgebung angedeutet. Die Strukturen der einzelnen Elemente sind jedoch malerisch aufgelöst, verschwimmen gar auf der rechten Bildseite zu pastos gesetzten unterschiedlichen Brauntönen, wodurch die wuchtigen, leuchtend roten Eisenräder betont werden. Die durch eine Achse verbundenen Räder sind perspektivisch verkürzt dargestellt. Während das vordere Rad noch ganz zu sehen ist, ist das hintere angeschnitten und scheint die während des Betriebs laufende Bewegung des Rades anzudeuten. Doch durch die Entkopplung der Achse von der Lokomotive ist die Bewegung zum Stillstand gekommen und die Verletzlichkeit der Technik wird sichtbar.
Werkdaten
- Inventarnummer: O-1497
- Material / Technik: Öl auf Leinwand, auf Holz aufgezogen
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Provenienz
1905–1912 Hermann Pleuer; 1912–1912 Kunsthandlung Pressel & Kusch, Stuttgart; 1912–1922 Paul Seeligmann, Stuttgart; 1922–vielleicht 1939 Hedwig Seeligmann, Stuttgart; vielleicht 1939–vielleicht 1941, Sept. Stadt Stuttgart, Oberfinanzdirektion (?); vielleicht 1941, Sept.–1960 Prof. Dr. Erich Schönhardt, Stuttgart; 1960–1960 Dr. med. Roland Schönhardt, Fellbach; 1960 Städtische Galerie (Kunstmuseum Stuttgart)