Rote Räder

Größe49,5 x 60 cm
Um 1905 konzentriert sich Hermann Pleuer zunehmend auf Details, die er in einem prägnanten Ausschnitt präsentiert. Hier sind die roten Triebräder der Lokomotive in einer wagemutigen Komposition wiedergegeben. Sie nehmen fast die gesamte rechte Bildhälfte ein und werden so zum eigenständigen Motiv. In den Reparaturwerkstätten gehört der Wechsel der Radlager zu den geläufigen Wartungsarbeiten. Dabei werden das Fahrwerk und die Lokomotive getrennt und die Räder abmontiert. Im Hintergrund wird durch die Wiedergabe der Werkshalle mit den massiven schwarzen Lokomotiven die Arbeitsumgebung angedeutet. Die Strukturen der einzelnen Elemente sind jedoch malerisch aufgelöst, verschwimmen gar auf der rechten Bildseite zu pastos gesetzten unterschiedlichen Brauntönen, wodurch die wuchtigen, leuchtend roten Eisenräder betont werden. Die durch eine Achse verbundenen Räder sind perspektivisch verkürzt dargestellt. Während das vordere Rad noch ganz zu sehen ist, ist das hintere angeschnitten und scheint die während des Betriebs laufende Bewegung des Rades anzudeuten. Doch durch die Entkopplung der Achse von der Lokomotive ist die Bewegung zum Stillstand gekommen und die Verletzlichkeit der Technik wird sichtbar.
Werkdaten
Inventarnummer:
O-1497
Material / Technik:
Öl auf Leinwand, auf Holz aufgezogen
Creditline:
Kunstmuseum Stuttgart. Das Gemälde Rote Räder gehörte ehemals der Jüdin Hedwig Traubermann (1878–1961) und wurde NS-verfolgungsbedingt entzogen. Dem Ehepaar Hedwig und Julius Traubermann gelang 1939 die Flucht über die Niederlande nach Großbritannien. Ihr Umzugsgut wurde von der Gestapo beschlagnahmt und 1941 in einer amtlichen Auktion zwangsversteigert. Das Kunstmuseum Stuttgart und die Stadt Stuttgart haben 2025 die Rückgabe des Bildes an die Nachfahren und Erben nach Hedwig Traubermann in den USA und Großbritannien entschieden. Das Verfahren ist nicht abgeschlossen. The painting Red Whels,formerly belonged to the Jewess Hedwig Traubermann (1878–1961), was confiscated due to Nazi persecution. Hedwig and Julius Traubermann escaped to Great Britain via the Netherlands in 1939. Their belongings were seized by the Gestapo and forcibly auctioned off in 1941. In 2025, the Stuttgart Art Museum and the City of Stuttgart decided to return the painting to Hedwig Traubermann's descendants and heirs in the USA and Great Britain. The process is still ongoing.
Provenienz

1905–1912 Hermann Pleuer; 1912–1912 Kunsthandlung Pressel & Kusch, Stuttgart; 1912–1922 Paul Seeligmann, Stuttgart; 1922–vielleicht 1939 Hedwig Seeligmann, Stuttgart; vielleicht 1939–vielleicht 1941, Sept. Stadt Stuttgart, Oberfinanzdirektion (?); vielleicht 1941, Sept.–1960 Prof. Dr. Erich Schönhardt, Stuttgart; 1960–1960 Dr. med. Roland Schönhardt, Fellbach; 1960 Städtische Galerie (Kunstmuseum Stuttgart)

Lizenzhinweis
Foto: Uwe H. Seyl, Stuttgart
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