Ein Ritter überquert im Mondenschein mit seinem Schimmel eine Brücke, die über einen Fluss führt. Die Szene wirkt unwirklich und rätselhaft.
In der romantischen Literatur und Malerei sind das Nacht- und Mondmotiv sowie die Ritterdarstellung verbreitet. Der Ritter steht für ein verklärtes Mittelalter. Mit der Nacht hingegen verbinden sich Tod, Vergänglichkeit und unerklärliche Phänomene. In Achim von Arnims Gedicht »Ritt im Mondschein« aus dem Jahr 1820 schließlich wird durch den Mond ein romantisches Bild von der Natur gezeichnet. In allen diesen Motiven äußert sich eine Weltflucht.
Das Gemälde »Ritter auf der Brücke« von Hermann Pleuer erinnert einerseits an eine romantische Bilderwelt. Andererseits lassen der impressionistische Malstil und die Beschränkung auf wenige Elemente eher an die moderne Kunstströmung des Symbolismus denken. Sie gilt als Gegenbewegung zum Realismus und Naturalismus um 1900, die die realistische und sachliche Darstellungsweise ablehnt.
1899 erscheint Hugo von Hofmannsthals Erzählung »Reitergeschichte«. Das Geschehen spielt während des italienischen Unabhängigkeitskriegs 1848 und schildert befremdliche Begegnungen, die der Wachtmeister eines Regiments während eines Feldzugs macht. In einer Szene reitet er auf seinem Schimmel auf eine Brücke und erblickt zu seinem Entsetzen seinen Doppelgänger. Vielleicht lässt sich Hermann Pleuer von dieser Erzählung inspirieren, als er im gleichen Jahr das Bild malt. Dem Rittermotiv kommt in der deutschen Malerei der Gründerzeit und um 1900, insbesondere in der Stilkunst-Bewegung, eine herausgehobene Bedeutung zu.
- Inventarnummer:
- O-0742
- Material / Technik:
- Öl auf Leinwand
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
1899–? Hermann Pleuer (Künstler); ?–mind. 1911 Richard Cleß bzw. Privatier Cleß; 1912–1912 Versteigerung Pressel & Kusch, Stuttgart; 1912–? ? (wieder Cleß?); ?–1943 K. C. (evtl. Kuno Cleß?); Nov. 1943–Nov. 1943 Kunstversteigerungshaus "Union" Inhaber Leo Spik, Berlin W 50, Rankestraße 5; (Nov.?) 1943–Dez. 1943 Matthäus Beyer Stuttgart, Schillerstr. 12; Dez. 1943–heute E: LHS Stuttgart, B: Kunstmuseum Stuttgart
Foto: Kunstmuseum Stuttgart