Raum 267 - München, Ehrentempel

Größe200 x 200 cm
Gemälde ohne erkennbaren Pinselstrich, zeigt einen leeren Tempel mit umlaufender Säulenreihe und zentraler Treppe vor dunklem Hintergrund.
In den späten 1990er-Jahren entsteht Ben Willikens‘ Serie »Orte«. Sie zeigt öffentliche Repräsentationsbauten des Nationalsozialismus. Ihre Architektur zeichnet sich durch monumentale Proportionen und das Kopieren historischer Vorbilder aus. Dabei greifen die Säulenstellungen und klaren Geometrien Formen der Antike und des Klassizismus auf. 
Ein Beispiel ist der flach gedeckte sogenannte Ehrentempel in München mit sechs Pfeilern an jeder Seite. Er wird 1935 als Denkmal für die Parteimitglieder errichtet, die 1923 beim gescheiterten Hitlerputsch starben. Als Tempel gedacht, soll die offene Halle ein Ort des Kultes und der feierlichen Stille sein. In Willikens Darstellung bleibt diese Stille erhalten, doch fehlt jede Spur des nationalsozialistischen Kults. Weder brennenden Feuerschalen noch uniformierten Ehrenwachen beleben den Raum. Die Architektur ist – wie immer bei Willikens – menschenleer und verlassen. Den 1947 gesprengten Ehrentempel kann er nur als Fotografie gesehen haben. Sein Gemälde zeigt keinen realen Ort, sondern eine wiederhergestellte Vorstellung. Die Perspektive über die Treppe eröffnet einen gedanklichen Zugang zu einer Architektur, die heute nicht mehr existiert und deren historische Bedeutung zunehmend verblasst.
Werkdaten
Inventarnummer:
LG-306
Material / Technik:
Acryl auf Leinwand
Creditline:
Dauerleihgabe der Mercedes-Benz Art Collection Stuttgart/Berlin
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Uwe H. Seyl, Stuttgart
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