Im diffusen Licht erscheint ein leerer Innenraum mit annähernd quadratischer Rückwand, die das Format der Leinwand aufgreift. Die gezeichneten parallel verlaufenden Dielen eines Holzbodens verstärken die perspektivische Tiefe und führen in das Bild hinein. Geradeaus befindet sich eine schlichte Tür, darüber eine Art Fensteröffnung. Wände, Boden und Decke sind in eine einheitliche weiß-graue Farbe getaucht. Sie ist oben links am hellsten und verdunkelt sich nach unten rechts. Dort, im dunkelsten Bereich, fällt durch eine hohe, helle Türöffnung starkes Licht in den Raum. Der scharf einfallende Lichtstreifen zieht sich über den Boden und verliert sich in der Mitte des Bildes. Alles wirkt still und unbewegt. Nur wenige kleine Gebilde, die wie Flusen anmuten, liegen auf dem Boden oder scheinen zu schweben. Nichts deutet auf eine konkrete Nutzung des Raumes hin. Gerade seine Einfachheit lenkt die Aufmerksamkeit auf Perspektive, Licht und Proportion. Der Kontrast zwischen kleiner Tür, großer Öffnung und dem schwer deutbaren Fenster verleiht dem Raum etwas Unwirkliches. Mit seiner Serie »Gegenräume« schafft Willikens keine Darstellungen realer Architektur. Die Räume entstehen allein im Bild. Türen, Fenster und Perspektive bilden eine überzeugende Raumstruktur, doch sie verweisen auf keinen wirklichen Ort. Die Kälte und Ungreifbarkeit der Räume erzeugt Willikens durch einen feinen Farbauftrag mit der Sprühpistole, wodurch eine vollkommen neutrale Oberfläche entsteht.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- O-2985
- Material / Technik:
- Bleistift und Acryl auf Leinwand
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart