Das Wörterbuch bestimmt den Bedeutungsumfang des Wortes »Progression« mit »Fortschreiten, Weiterentwicklung, stufenweise Steigerung«. Genau das lässt sich in Stankowskis Gemälde »Punktprogression« von 1952 – der variierenden Wiederaufnahme eines Motivs aus seinem ersten »konkreten« Bild von 1926 – beobachten: Bunte Kreisflächen sind in fortschreitender Größe, nur getrennt durch grauschwarze Balkenformen, übereinander arrangiert. Dabei scheinen sie wie Gleichgewichtsartisten im Zirkus bemüht, auf den Balken balancierend das Gleichgewicht zu wahren. Stankowskis Motiv lässt jedoch daran zweifeln, ob es ihnen gelingen mag. Die große helle Kreisform, vor der sich die Kugelartisten erheben, könnte dann als die hell erleuchtete Manege gedeutet werden. Die graduelle Steigerung des Kreisumfangs eröffnet zwei Lesarten: Man kann die Konstellation flächig wahrnehmen, sodass der kleinste Kreis ganz unten alle anderen trägt und der größte ganz oben thront. Geht man hingegen davon aus, dass alle Kreise gleich groß sind, so bietet sich eine räumliche Perspektive: Nun schauen wir von leicht schräg oben, in einer Position ein klein wenig oberhalb des gelben Kreises, auf den wagemutigen Balanceakt, der sich dem Blick entgegenwindet.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-178
- Material / Technik: Öl auf Hartfaserplatte
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart, Schenkung der Stankowski-Stiftung
Lizenzhinweis
© Stankowski-Stiftung / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart