Das Wechselspiel von positiven und negativen Elementen ist ein zentrales Kompositionsmuster in Anton Stankowskis Bildern. Die eindrückliche Wirkung dieses »polarisierenden Prinzips«, wie er es nennt, verdankt sich seiner Auffassung nach dem Umstand, dass die Wissenschaft, die Technik und ebenso die Kommunikation seit jeher von Gegensätzen beherrscht werden. Groß / klein, heiter / ernst, weiblich / männlich, gut / böse benennt Stankowski als Beispiele für derlei Gegenpole im Denken. Im hier gezeigten Ölgemälde von 1956 nimmt das Positiv-Negativ-Prinzip formal wie farblich Gestalt an. Spiegelbildlich angeordnete, puzzleartige Formen, die auf aufgebrochenen oder miteinander verschmolzenen Quadratformen basieren, werden durch Hell-Dunkel-Kontraste einander gegenüber gesetzt. Dabei tritt die Farbe Blau in Dialog mit den »Nichtfarben« Schwarz, Grau und Weiß. Ein weiteres Gegensatzpaar wird im Nebeneinander von offenen und geschlossenen Formen anschaulich. Zugleich wird – und das ist typisch für Stankowski – die kompositorische Strenge untergraben: Zwar weisen die vier Farbfelder im Detail untereinander formale Entsprechungen auf, doch sind sie als Gesamtformen völlig unterschiedlich gestaltet. Aber auch darin wird ein für Stankowski maßgebliches »polarisierenden Prinzips« fassbar: jenes von Symmetrie und Asymmetrie.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-218
- Material / Technik: Öl auf Holz
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart, Schenkung der Stankowski-Stiftung
Lizenzhinweis
© Stankowski-Stiftung / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart