Dem ersten Blick muss Stefan Vogels Bildobjekt »Phase« abweisend wirken. In trüben, grauen Farben sind ein Streifen Rauhfasertapete, ein beschriftetes Stück Stoff und dünne Schnüre aus weißem Silikon wie Trümmerstücke in einem schwarzen Rahmen verwahrt.
Erst nach und nach kommt ihre fein ausgewogene Anordnung zum Vorschein. Mit den Silikonschnüren am Boden des Rahmenkastens baut Vogel das Volumen seines Bildobjekts auf. Auch ergeben sich in den verschlungenen Schnüren an Schrift erinnernde Linien. Fast scheint es, als sei dem Künstler, der oft mit Silikon schreibt, die Schrift hier am Boden zusammengesunken. Ähnlich unleserlich ist die gedruckte Schrift auf dem Stoff. Zwar lassen sich einzelne Worte wie »verlacht«, »vergrößert« oder »verloren« entziffern, doch ergeben sie keinen Text. Auch die Wasserflecken mit ihren dunklen Farbrändern erschweren die Lesbarkeit. Doch geht es ohnehin eher um den Klang der Worte als um ihren Inhalt. Die Reihen von Worten, die alle mit der Silbe »ver« beginnen, kommen häufig in den Werken vor.
Sprache ist für Vogel ein wichtiges Gestaltungsmittel. Hierin ist er an der Konkreten Poesie geschult. Er löst die Worte aus ihren Sinnkontexten und stellt sie als Material um ihrer Selbst willen aus. Um auf die verborgenen Ebenen von Sprache zu verweisen, wirkt die Raufasertapete am rechten Bildrand wie ein Vorhang, der zur Seite gerissen wurde, um endlich zum Kern der Sache vorzudringen. Doch da ist nur – reine Poesie.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2025-002
- Material / Technik: Tusche, Permanentschreiber, Silikon und Raufasertapete auf Textil
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart