Für Karl Duschek sind wie für Anton Stankowski die Grenzen zwischen bildender und angewandter Kunst fließend. Die Schwellensituation seines Schaffens manifestiert sich in diesem frühen Gemälde bereits in der Wahl der Materialien. Einerseits handelt es sich um ein auf traditionelle Weise mit dem Pinsel und Acrylfarbe gefertigtes Gemälde. Andererseits verwendet Duschek mit der Polystyrol-Platte einen industriellen Kunststoff als Bildträger. Damit war vor allem ein Gebrauchsnutzen und keine künstlerische Erlesenheit verbunden. Doch besitzt der Werkstoff aufgrund seiner glatten, durchscheinenden Oberfläche durchaus eigene ästhetische Qualitäten. Das Thema der Transparenz scheint auch bei der Komposition der leitende Gedanke gewesen zu sein: Zu sehen sind ein gelber und zwei parallele blaue Streifen, die sich, in rechtem Winkel aufeinandertreffend, Dreiecksformen zu fügen. Diese sind teilweise vom rechten Bildrand angeschnitten. An den quadratischen Schnittflächen vermischen sich das Gelb und das Blau ganz im Sinne der Farbenlehre zu Grün. Irritierenderweise unterscheiden sich die beiden Grünflächen: Die obere ist dunkler und deckend, während die zweite lasierend ist, sodass der reflektierende Bildträger durchscheint und seine Strahlkraft zur Geltung kommt.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2016-041
- Material / Technik: Acryl auf Polystorol
- Creditline: Nachlass Karl Duschek
Lizenzhinweis
© Meike Gatermann / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart