Joseph Kosuths Neon-Schriftzug zeigt vermeintlich nichts anderes, als das, was die Worte benennen. An der Wand sind acht Worte in englischer Sprache hintereinander gereiht. Jeder Buchstabe eines jeden Wortes ist aus einem einzigen, sehr feinen Glasröhrchen geformt, das mit dem farblosen Gas Neon gefüllt ist. Es beginnt pink zu leuchten, sobald elektrische Spannung angelegt wird. Das, was die Worte benennen, ist zugleich die Bedingung dafür, sie überhaupt lesen zu können: Die einzelnen Buchstaben bilden acht voneinander verschiedene Worte, die nur zu lesen imstande ist, wer die englische Sprache spricht. Und zu lesen sind die Worte streng genommen nur dann, wenn der Neon-Schriftzug leuchtet. Und nur dann, wenn die Worte gelesen werden, beziehen sie sich auf das, was sie zeigen.
Kosuth ist ein wichtiger Vertreter der amerikanischen Konzeptkunst. Sprachlich begründete Prozesse treten an die Stelle traditioneller, form- und inhaltsbestimmter Kunst. Kosuth zeigt, wie Sprache die Wirklichkeit formt. Die Worte benennen objektiv, was zu sehen ist. Unausgesprochen bleibt dabei, was noch da ist: der warme Schein des Lichts oder die Zerbrechlichkeit des Glases.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- 2001-022
- Material / Technik:
- Rosa Neonröhre direkt an der Wand montiert
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart