Links oben in diesem Arrangement aus Zeitschriften-Ausrissen prangt wie eine Art Bildtitel das Wort »Mode«. Allerdings ist das »M« größtenteils überdeckt ist, sodass nur »ode« zu lesen ist. Eine Ode an die Mode? Nichts liegt Albrecht/d. wohl ferner. Vielmehr hat er hier die Verlockungen der Konsum- und Warenwelt in einer Anhäufung fragmentierter Models, die Schlafanzüge und Unterwäsche präsentieren, mit feiner Ironie aufs Korn genommen. Die Bildaussage entfaltet sich jedoch erst im Zusammenspiel mit den begleitenden Textfetzen wie jenem am rechten Rand der Komposition: Inmitten der Überklebungen schält sich dort ausschnitthaft ein Kochrezept für »Zwiebelfleisch« heraus. Auf diese Weise entlarvt der Künstler die Werbung als das, was sie aus seiner Sicht wohl war – eine Fleischbeschau zur Verbrauchermanipulation.
Albrecht/d.s künstlerisches Mittel der Wahl ist hier die Decollage. Sie ist das Gegenteil der Collage: Anstatt Bildelemente zu einem neuen Ganzen zu fügen, werden bei der Decollage einzelne Partien eines Bildes entfernt – herausgeschnitten, herausgerissen, herausgekratzt – und die Fragmente neu arrangiert. Dies gestattet, den Blick der Betrachter:innen auf die wesentlichen Motive zu lenken und zugleich neuen Sinngehalt anschaulich zu machen. In Deutschland hat Wolf Vostell, ein Mitstreiter und Freund von Albrecht/d. aus Fluxus-Zeiten, die Decollage in den 1950er-Jahren populär gemacht und zum Gestaltungsprinzip erhoben, das auch in anderen Gattungen wie dem Happening Anwendung fand.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2017-066a
- Material / Technik: Decolllage und Collage auf Karton
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Nachlass Albrecht/d. / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart