Anne Marie Jehles Kunst bewegt sich in einem Spannungsfeld von persönlicher Wahrnehmung der eigenen Rolle als Künstlerin und als Frau und den Erwartungen, die die Gesellschaft mit diesen Rollen verbindet. Einhergehend damit sind Machtverhältnisse ebenso ein immer wiederkehrendes Thema in ihrer Kunst. Ihre Werke, die sie aus Materialien des Alltags fertigt, lassen sich als feministische Selbstbehauptung verstehen.
Das künstlerische Spiel mit Worten findet sich immer wieder in ihrem Werk. Hier setzt sie das sogenannte Venussymbol in den Mittelpunkt. Seine rote Farbe steht im Kontrast zur blauen Schrift. Jehle setzt die Farben gemäß ihr allgemein geschlechtsspezifischen Verwendung ein: Rot verweist auf das Feminine/Weibliche, Blau auf das Maskuline/Männliche. In ihrer Aussprache werden die zu lesenden Worte – darunter die Neuschöpfungen »fraut« und »mannt« – zu einem Gedicht. Hinzu kommt eine durch die Buchstaben A und B vorgenommene Wertung. In einer feministischen Lesart kann der Text samt Gestaltung als Verweis auf die Hierarchien in einer von Männern beherrschten Gesellschaft gedeutet werden. Frauen stehen demnach unter ständiger Bewertung und werden als »B-« betrachtet.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-042
- Material / Technik: Acryl auf Leinwand
- Creditline: Schenkung Anne Marie Jehle Stiftung
Lizenzhinweis
© Nachlass Anne Marie Jehle / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart