Anne Marie Jehles Kunst bewegt sich in einem Spannungsfeld von persönlicher Wahrnehmung der eigenen Rolle als Künstlerin und als Frau und den Erwartungen, die die Gesellschaft mit diesen Rollen verbindet. Einhergehend damit sind Machtverhältnisse ebenso ein immer wiederkehrendes Thema in ihrer Kunst. Ihre Werke, die sie aus Materialien des Alltags fertigt, lassen sich als feministische Selbstbehauptung verstehen.
Ihr künstlerischer Ansatz ist dadurch geprägt, dass sie schon vorhandene Objekte, vor allem Alltagsgegenstände, zu Kunstwerken umgestaltet. In dem hier gezeigten Werk verarbeitet sie Kassettenband. Benutzer:innen von Kassetten dürfte der Begriff »Bandsalat« in den Sinn kommen. Aus dem in der Entstehungszeit allgegenwärtigen Magnettonband häkelt Jehle organisch wirkende Formen. Die aus ihnen lose herabhängenden Schnüre vermitteln den Eindruck, dass die gehäkelten Stücke nicht sehr robust und widerstandfähig sind. Auf spielerische Art und Weise lädt Jehle uns in dieser Arbeit zur Auseinandersetzung mit Materialität und Vergänglichkeit ein.
Häkeln als handwerkliche Fähigkeit spielt in ihrem Werk wiederholt eine Rolle. Wie so oft zeigt sich auch in der vorliegenden kleinen Arbeit Jehles ungemeine Experimentierfreude, aus allen Materialien Kunst zu schaffen.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-036
- Material / Technik: Magnetband, Schnur, Eisennägel und Fotokopie auf Holz
- Creditline: Schenkung Anne Marie Jehle Stiftung
Lizenzhinweis
© Nachlass Anne Marie Jehle / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart