Anne Marie Jehles Kunst bewegt sich in einem Spannungsfeld von persönlicher Wahrnehmung der eigenen Rolle als Künstlerin und als Frau und den Erwartungen, die die Gesellschaft mit diesen Rollen verbindet. Einhergehend damit sind Machtverhältnisse ebenso ein immer wiederkehrendes Thema in ihrer Kunst. Ihre Werke, die sie aus Materialien des Alltags fertigt, lassen sich als feministische Selbstbehauptung verstehen.
Wie schon in anderen Arbeiten greift Jehle auch hier erneut auf eine Schaufensterpuppe als Ausgangsobjekt zurück. Der Büste hat sie eine auffällige Krone aus Putten-Köpfen aufgesetzt. In ihrer Formgebung erinnert die Figur mit dem seitlich gerichteten Blick und den entfernten Armen an die antike Statue der Venus von Milo. Besondere Bedeutung kommt den Beschriftungen auf ihren Brustwarzen zu: Die Worte »gebären« und »rüsten« stehen in direkter Verbindung zur Produktion – sowohl im Sinne der Fortpflanzung als auch der Aufrüstung mit materiellen Gütern. Betont wird dieser Gegensatz noch durch die goldfarbene Pershing-Rakete, die zwischen den Brüsten platziert ist. Mit der Figur thematisiert Jehle den Widerspruch zwischen dem traditionellen Verständnis der Rolle der Frau und der Vorstellung einer von Männern dominierten Welt, in der es um Wettbewerb und militärische Stärke geht.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-034
- Material / Technik: Holz, Karton, Gips und Farbe
- Creditline: Schenkung Anne Marie Jehle Stiftung
Lizenzhinweis
© Nachlass Anne Marie Jehle / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart