Anne Marie Jehle circa 1984

Ohne Titel

Größe5 x 15 x 12 cm
Anne Marie Jehles Kunst bewegt sich in einem Spannungsfeld von persönlicher Wahrnehmung der eigenen Rolle als Künstlerin und als Frau und den Erwartungen, die die Gesellschaft mit diesen Rollen verbindet. Einhergehend damit sind Machtverhältnisse ebenso ein immer wiederkehrendes Thema in ihrer Kunst. Ihre Werke, die sie aus Materialien des Alltags fertigt, lassen sich als feministische Selbstbehauptung verstehen. Die hier gezeigte Arbeit steht in offensichtlichem Bezug zur Strickliesel-Puppe. Das Spielzeug ist vorwiegend für kleine Mädchen gedacht und hilft, Stricken zu lernen. Einhergehend damit führt es die Mädchen in mit Frauen verbundenen Tätigkeiten wie Nähen und Hausarbeit ein. Auf die Strickliesel-Puppe hat Jehle einen Zeitungsausschnitt geklebt. Die deutlich zu lesende Aufschrift »Sprengkopf« steht im Zusammenhang mit Ronald Reagan und Konstantin Tschernenko als den beiden Gegnern in der patriarchalen Machtpolitik des Kalten Krieges in den 1980er-Jahren. Jehle setzt die weibliche Strickarbeit in Kontrast zur männlich dominierten Weltpolitik. Der lose Faden könnte sich zudem auf das »Fädenziehen« beziehen, womit im gängigen Sprachgebrauch die geschickte Lenkung von Vorgängen umschrieben wird. Ein derartig spielerischer Umgang mit Sprache ist typisch für Jehles Kunst. Das Werk bringt so in absurd-humorvoller Weise stereotypische weibliche und männliche Rollenbilder zusammen.
Werkdaten
Inventarnummer:
2022-030
Material / Technik:
Wolle, Holz, Papier und Metall
Creditline:
Schenkung Anne Marie Jehle Stiftung
Lizenzhinweis
© Nachlass Anne Marie Jehle / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart
Permalink