Anne Marie Jehles Kunst bewegt sich in einem Spannungsfeld von persönlicher Wahrnehmung der eigenen Rolle als Künstlerin und als Frau und den Erwartungen, die die Gesellschaft mit diesen Rollen verbindet. Einhergehend damit sind Machtverhältnisse ebenso ein immer wiederkehrendes Thema in ihrer Kunst. Ihre Werke, die sie aus Materialien des Alltags fertigt, lassen sich als feministische Selbstbehauptung verstehen.
Die Beschäftigung mit Alltagsobjekten ist auch in diesem Werk zu sehen. In einer geöffneten Rationsdose liegen ordentlich aufgereiht pilzförmige Objekte. Sie entsprechen jedoch nicht dem versprochenen Inhalt, wodurch ein Spiel mit Erwartung und Enttäuschung entsteht. Die Pilze verspotten die Hoffnung auf die in der Aufschrift angekündigte Schokolade, die einst zu den Luxusprodukten gehörte.
Mit dem Vietnamkrieg und dem Kalten Krieg sieht sich Jehle in einer von militärischen Konflikten geprägten Zeit. Vor diesem Hintergrund kann die hier gezeigte Arbeit auch als unterschwelliger Verweis auf die Themen Versorgung und Enttäuschung im Krieg gedeutet werden.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-028
- Material / Technik: Metall und Kunststoff
- Creditline: Schenkung Anne Marie Jehle Stiftung
Lizenzhinweis
© Nachlass Anne Marie Jehle / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart