An der Wand hängt ein vergrößerter Textauszug. Dieser beginnt mit einem Zitat aus dem »Hamlet« von William Shakespeare. Das Zitat hat Sigmund Freud in seiner Studie »Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten« (1905) einem Abschnitt zum Prinzip des Verkürzens als Technik des Witzes. Da ein schlichter Bilderrahmen den Text teilweise verdeckt, ist von ihm nur das Zitat als Kapitelüberschrift gut lesbar.
Im Rahmen befindet sich eine unscharfe Schwarz-Weiß-Fotografie eines ungemachten Bettes sowie ein Zitat aus Johann Georg Hamanns Schrift »Aesthetica in nuce« (1762). Hamann zeigt sich hier als ein Kritiker des Philosophen Immanuel Kant. Er stellt infrage, ob Begriffe die Vielschichtigkeit der Wirklichkeit widerspiegeln können. Diese Unschärfe greift auch Freud auf: In einer metaphorischen Wendung verbindet die Kapitelüberschrift Tod und Leben, Trauer und Freude.
Der Werktitel selbst enthält zusätzlich eine Widmung an die Künstler Imi Knoebel und Günter Förg.
Kosuth ist ein wichtiger Vertreter der amerikanischen Konzeptkunst. Sprachlich begründete Prozesse treten an die Stelle traditioneller, form- und inhaltsbestimmter Kunst. Hier zeigt Kosuth, dass Bedeutungen nicht festgelegt sind. Sie entstehen erst durch die Beziehung zwischen den Fragmenten aus verschiedenen Kontexten und der entliehenen Fotografie. Es ist also kein Zufall, dass er ein Bild einsetzt: Er verweist auf den Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein, der jeden Satz als ein Bild der Wirklichkeit betrachtete. Entscheidend ist, wie der sprachlich formulierte Satz dieses Bild formt oder überhaupt erst hervorbringt.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- O-2911
- Material / Technik:
- Aufgezogene Fotografie und gerahmte Fotografie
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart