Eine junge Frau in blauem Bikini mit schwarzem, offenem Haar blickt uns mit spöttischem Lächeln an. Sie umschließt mit ihren Armen den Kopf einer zweiten Figur – in einer scheinbar vertraulichen Geste. Doch wirkt diese schnell beklemmend. Die zweite Figur, in cremefarbener Bikinihose, kniet wie die erste mit gespreizten Beinen auf dem blau schattierten Boden. Doch ihr Ausdruck ist voller Angst: der Mund zum Schrei geöffnet, die Augen weit aufgerissen. Währenddessen umklammern ihre bleichen Hände die erste Figur. Dominanz auf der einen und Ausgeliefertsein auf der anderen Seite erzeugen eine verstörende Spannung. Die Grenze zwischen Spiel und Gewalt verschwimmt. Dieser Bruch wird durch die liebliche Malerei noch verstärkt.
Caro Suerkempers Malereien auf Papier zeichnen sich durch einen flüchtigen, fast skizzenhaften Stil aus. Farbflächen verlaufen weich ineinander. Konturen bleiben bewusst ausgespart. Die durch Licht und Schatten modellierten Figuren erhalten eine schwerelose, entrückte Anmutung. An den Rändern bleiben die Bild unvollendet. Der Fokus liegt auf dem Zentrum der Komposition. Dies verleiht Suerkempers Arbeiten eine spontane, pastellige Leichtigkeit. Sie transportiert zugleich Fragilität und emotionale Tiefe. Der meist wässrige Farbauftrag verstärkt diesen Eindruck. So wirken die Szenen wie Erinnerungsbilder – fragmentarisch, zart und doch eindringlich.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2004-004
- Material / Technik: Bleistift, Aquarell und Gouache auf warmweißen Papier
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Caro Suerkemper / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart